BVJA Bericht         Southside
   

Home ] UD 2013 ] [ Southside ] Impressum ]

Southside Festival 2008 review by Chris Mennel - der seit 2000 sehr gerne
auf Festivals gegangen war und nun ahnt: Die lockere Zeit ist vorbei. Also das hier ist ein Verriss.
..........................................................................

Ladies     Deutsches     Seitliches     Punk      Indie      Hits and Flops     tot

2008: Ein letztes Mal auf dem Southside. Es war ausverkauft. Und das war für mich das Aus. Dreimal war ich wohl dort? Es ist überfüllt, das ist ab abends 19 h sein Killerproblem. Neben diesem Problem, dass man nicht mehr mit Live-Feeling an die gewünschten Bands herankommt, gibt es weitere:
    

Bild links:

Zwei Stunden warten für 1 x
Duschen zwischen 9 und 13 h.

Die Männer wuschen sich im Freien oder beschlossen, zu stinken.

Die Frauen sahen es anders.

.
Grundlegend:

1. Ich möchte nur noch zu Festivals gehen, bei denen ich filmen darf. Das Verbot, mit ner Privatkamera pro Band, wenn sie mir wirklich gefällt, mit einem leckeren Souvenir von einem ganzen Musiktitel nach Hause zu gehen, beschneidet mich. Mein "Ich war da" Beleg für mich selber und wer-weiß-wen ist Teil meines Spaßes. Ich habe mittlerweile nach riesigen ("Southside") wie winzigen ("Cannstatter Musiknacht") Festivals gemerkt, dass für mein gutes Gefühl auf einem Life-Konzert große Namen ("Fooooo Fighters") unwichtig sind. Gute unbekannte Gruppen, die vor meiner Nase spielen und erfreut gucken, wenn ich für ein Lied die Kamera mal auf sie richte - das ist Live. Ich will mir selbst kurz ein Event dokumentieren - danach bin ich mit Gehüpf und Geschrei ganz live dabei.

2. Ich hasse penetrante Werbung. Auf Highfield 2007 war es die Telekom, die mich nach der dortigen Werbung noch mehr ankotzt - zwischen den Bands kam eine AUDIO-Werbung mit Klingelton und Quäkstimme - nie mehr geh ich da hin. Auf Southside ist es "das Ding". Ich kenne den Sender doch längst und weiß nach hinreichend Hörstunden, dass ich ihn aufgrund seiner Hiphopneigung meide wie den SWR wegen der Sportberichte. Auf jeder Bühnen-Monitor-Box stand dann dieses dumme Ding und war nie mein Ding - Hasss. Nebenbei, HipHop ist wieder gut geworden. Nämlich Frauenarzt & Co. Die laufen aber bei euch so wenig wie die Böhsen Onkelz liefen, ihr Flachsender.

Speziell:

3. Die solidarischen Tipps vor unseren Peinigern an den Ausfallstraßen fehlen auf dem Festival: Vor der Bullizei. Ich bin am Sonntag verfrüht abgefahren, 20 h, und die ham mich schon durchguckt. Kann es sein, dass die gigantischen Staus ab Festival-Ende von der Polizei ERZEUGT werden, weil sie an allen Ausfallstraßen alle kontrollieren will und dabei ein Bündel naive Dummies abkassiert, die die Polizei-Protzerei nicht wert waren?
Also deutschsprachige Bands, nutzt eure Bühne, und Leute, erstellt Schilder: "Die Bullizei behindert mit Kontrollen unsere Abfahrt am Festivalende. Nehmt keine Drogen mit hinaus. Wer sich ans Steuer setzt, hört 14 Stunden vorher mit Saufen auf."

4. Die Security ist noch nicht so weit wie 1969 - da ging ein Mord an einem Konzertteilnehmer auf ihr Konto. Aber ihre ins Publikum gerichteten Schlägergesichter übersteigen dann das Limit, wenn sie sich auf die allgegenwärtigen Geländer mit Sitzverbot stellen und einen Crowdsurfer dissen. ZWEI gelungene Crowdsurfs gab es nur noch: Der Typ von den Subways - die Band ist damit auf Platz zwei bei mir gehupft:-) - und ein bauchabwärts lecker surfendes Mädel, das lange im Kreis getragen wurde und sich um die Securityboxer nicht scherte.
Damit ist das Securitythema nur halb zuende. Die "Green"-Bühne war überregelt: nur links hinten seitlich rein, dann aber nur rechts wieder raus im vorderen Bereich. Sperre dieses Bereiches, wenn er zu drei Vierteln voll war. Ich kam mir vor wie beim Sozialamt und habe auf die Green-Bühne ab dem zweiten Tag verzichtet.

5. Abzocke. Das Stichwort genügt, und das Publikum klagt. Nudeln mit einem Witz an Fleisch 5 Euro, die Cola 2,80. Und fast kein Getränk hineinnehmbar. Ich ziele hier aber auf die im Prinzip mögliche Gratis-Versorgung mit Wasser ab. War die mit Absicht kaputtgeplant wie in einem Slum von Sri Lanka, nach dem Motto "Kauft euch doch 0,2 l Bonaqua"? Hören wir die Southside-Moderatorin im O-Ton: "Leute, ich will das Wetter nicht schlechtmachen. Aber es ist verdammt heiß. Die Sanitäter haben nur noch zu tun. Versorgt euch mit Wasser." - und schlendern wir dann zum einzigen, durch kein Schild gekennzeichneten Wasserversorgungspunkt des Musikbereichs. Menschentrauben, Bodenschlamm, völliger Engpass. Die beiden Becken müssen zueinander in einem Abstand aufgestellt werden, dass VIER Leute nebeneinander passen, nicht zwei, ihr Hirnis, Weil links und rechts steht je eine Reihe, bedient sich am Wasserhahn, wendet sich den Arsch zu - und voll wars schon auf dem Southside. Es muss ergänzend auch hin und hergegangen werden können! Oder in diesem Fall: Vorne reinlaufen, durchlaufen, hinten rauslaufen, mit einem Rein- und einem Rauslaufangebot pro Seite. Denn im Prinzip war der Wasserversorgungspunkt von zwei Seiten begehbar, nur hatten die Abzocker eine Wand dichtgemacht. Und da wo Wasser ist, darf kein Lehmboden sein, liebe Planungshirnis. Morast war die Folge.

Zu den Bildern oben:

"Die kleenen Punker aus Berlin" kamen aus Wangen im Allgäu - The Flyer.

Jennifer Rostock war so flott, dass mein Fotoapparätlein sie nicht scharf stellte.

So weit, so "es reicht". Ach so, ob mir das Musikangebot gefallen hat? Ja, weil. Weil die Veranstalter rings um die Headliner ein geschmackvolles, für konservative Indie-Ohren sogar riskantes Angebot an Dance und Ethno anbieten. Das habe ich fast komplett abgegriffen. Meine schönen Stunden waren der Freitag bis 20 h, der Samstag und Sonntag bis 19 h - dankbare, um ihren Ruf kämpfende Bands und ein tolles Publikum mit einem fairen Maß an Masse.

   
Was ich abgegriffen habe? Was bitte mein Geschmack sei? Das sage ich jetzt auf sechs Unterseiten und warne: Niemand in Deutschland hat meinen Geschmack. Lady Fronted Groups, Deutschtextiges, Trivial Poppiges und Experimente. Und genau ein Abschied kündigte sich bei mir schon lange an und setzte sich auf dem Southside ganz durch: Der von den Viertelesstampfern. Den verkappten englischsprachigen Einmanndominierbands. Den Gitarrenschraddlern. Den Liedaufliedsetzern. Kurz gesagt: Ich habe den klassischen Schwerpunkt des Southside, die Indie-Bands, links liegen gelassen. Oh ja, ich mag Punk nach wie vor. Aber nicht seine Weichspülungen.

Ladies

Deutsches

Seitliches

Punk im weiten Sinne

Indie im weiten Sinne

Hits and Flops

tot